Ankündigung: Abschied von den Schwestern

26. August 2022

Ordensfrauen haben 134 Jahre christliche Bildung vermittelt

Wehmut klingt mit: Am 25. und 26. August nimmt die Liebfrauenschule Mülhausen Abschied von ihren Schwestern. 134 Jahre lang haben Ordensfrauen das Leben in der Schule geprägt. Nun endet die Ära der Kongregation „Schwestern Unserer Lieben Frau“ im Grefrather Ortsteil Mülhausen. Bereits Ende Juli 2022 war die Geschichte des Klosters in Mülhausen offiziell beendet. Der weltweit tätige Orden schließt damit das Kapitel Mülhausen.

„Wir wollen unseren Schwestern einen würdevollen Abschied bereiten und unseren Schülerinnen und Schülern deutlich machen, wie die Ordensfrauen unser schulisches Leben über einen langen Zeitraum bereichert und gestaltet haben“, sagt Dr. Sara Falk. Die stellvertretende Schulleiterin, selbst ehemalige Schülerin der Liebfrauenschule, kann sich kaum vorstellen, wie es ohne die barmherzigen Frauen sein wird. „Der Geist, den die Schwestern hier gelebt haben, bleibt aber auf jeden Fall erhalten“, so die Pädagogin. „Das sind unsere Wurzeln.“

Das Buch, das die Ordensfrauen mit ihrer Vermittlung von Glaube, Werten und Bildung an dem christlich orientierten Gymnasium geschrieben haben, ist dicker als die Bibel. Die ehemalige stellvertretende Schulleiterin Schwester M. Mathilde - die jetzt neben Schwester M. Adelheid und Schwester M. Hildegard Abschied nimmt - hat es ausgerechnet: Die Zahl der Schüler, die von den „Schwestern Unserer Lieben Frau“ ins Leben geführt worden sind, entspricht der Einwohnerzahl von Grefrath, also gut 15.000.

Diese Tradition macht der Blick zurück deutlich. Am 17. Januar 1888 kommen die ersten vier Schwestern zu Fuß von der Bahnstation Grefrath in Mülhausen an. Die preußische Regierung hat die Niederlassung genehmigt. Vorausgegangen ist der Erwerb der Villa Bongartz, heute das „weiße Haus“ und Sitz von Sekretariat und Schulleitung. Die Generaloberin Schwester M. Chrysostoma sucht zum Ende des Kulturkampfes ein neues Hauptquartier und wird im beschaulichen Mülhausen fündig. Die Nähe zum Ruhrgebiet spielt die entscheidende Rolle. Das Haus in Mülhausen wird schließlich zum Mutterhaus des gesamten Ordens.

Bereits im Frühjahr 1888 kann die „Höhere Töchterschule“ ihren Betrieb aufnehmen. Die Schwestern nehmen auch Externe auf. Sie arbeiteten darüber hinaus in Kindergärten und engagierten sich allenthalben sozial-karitativ - so, wie es dem Verständnis des 1850 in Coesfeld gegründeten Ordens enspricht: die vorherrschende soziale Not zu lindern und insbesondere armen verwahrlosten Mädchen ein Zuhause zu geben. Für diese Werte steht die Ordensgründerin Julie Billiart (1751-1816), deren Kernanliegen es ist, armen Kindern eine Heimat zu sein, sie religiös zu erziehen und ihnen eine schulische Ausbildung zu ermöglichen.

Dieses mit den Ordensfrauen verbundene Bildungsideal zieht Kreise. Mitunter gehören weltweit ca. 2000 Schwestern zum Orden der „Schwestern Unserer Lieben Frau“. Im 20.Jahrhundert entwickelt sich Mülhausen zu einer aufblühenden Schule. Der Unterricht liegt fast ausschließlichin den Händen der Schwestern. Mit Mathilde Vaerting wird1923 in Jena eine Liebfrauen-Schülerin die erste geisteswissenschaftliche Professorin in Deutschland.

Höhere Bildung in christlicher Verwurzelung wird in Mülhausen vermittelt. Ab 1929 entstehen Schulneubauten, die Liebfrauenschule wächst und wächst. Gegen Schikanen des NS-Regimes gegen Kloster und Schule bis hin zur Vertreibung kann sich Mülhausen behaupten. Bis kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist in der Liebfrauenschule ein Lazarett installiert. Die Erfolgsgeschichte des Gymnasiums mit christlichen Wurzeln wird fortgeschrieben, als sich 2017 mit der Dernbacher Gruppe Katharina Kasper ein neuer Gesellschafter findet, der den Wertekanon der Ordensfrauen uneingeschränkt fortträgt und der Schule eine sichere Zukunft bereitet.

Die beiden nun anstehenden Abschiedstage 25./26. August reflektieren diese bewegte Geschichte der Ordensfrauen an der Liebfrauenschule Mülhausen. Am Donnerstag, 25. August, ist „Tag des sozialen Miteinanders“. In 20 Workshops, von Lehrern geleitet, gehen die Schüler Fragen nach wie „Wo liegen unsere christlichen Wurzeln?“ oder „Wie gehen wir hier miteinander um?“. „Man muss bedenken, dass die meisten Schüler die Schwestern gar nicht mehr im täglichen Leben unserer Schule erlebt haben - in den Workshops wollen wir ihnen die gelebten Werte unserer Schwestern nahe bringen“, berichtet Sara Falk.

Der darauffolgende Freitag startet morgens mit einem Gottesdienst. Um 15 Uhr folgt eine gemütliche Kaffeetafel, eine ganze Schule backt. Ab 17 Uhr begegnen sich Ehemalige aus Kollegium, Schüler- und Elternschaft. Moderiert vom Journalisten Klaus Nelißen sowie von der ehemaligen stellvertretenden Schulleiterin Gabriele Beeck werden 134 bewegte Jahre mit pädagogischem Geschick und Idealismus der Ordensfrauen reflektiert.

Der pensionierte Liebfrauenlehrer Lothar Lange und der Historiker Dr. Theo Rütten leiten im Anschluss mit einem historischen, theatralischen und musikalischen Bühnenprogramm zum kulturellen Höhepunkt des Abschiedsfestes über. Sara Falk: „Auch hier bietet sich die Möglichkeit, sich mit individuellen Worten von unseren Schwestern zu verabschieden.“ Finale ist schließlich ein Ehemaligenfest, das möglicherweise den Startschuss bildet für eine Reihe, die die Schulleitung ab 2022 pflegen möchte.

Auch wenn offiziell von Abschied die Rede ist - so ganz werden die Schwestern nicht aus dem Schulalltag ausgeblendet. So wird Schwester M. Adelheid in Mülhausen weiter in der Nachmittagsbetreuung zu erleben sein. Schwester M. Mathilde wird nach wie vor in der Villa Bongartz wohnen. Und gegenüber im Haus Salus werden neben Schwester M. Hildegard weitere verdiente Ordensfrauen ihren Lebensabend verbringen, die zuvor an der Liebfrauenschule Mülhausen für christliche Bildung auf hohem Niveau gestanden haben.

 

 

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Per Link zur Anmeldung: https://forms.office.com/r/Rt95YZiD6s 



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