Bericht: Tophoven und der Terror

21. Dezember 2021

Den Bogen von den Anschlägen auf die Twin Towers in New York bis hin zum Taliban-Terror in Afghanistan schlug Rolf Tophoven bei seinen Vorträgen vor Abiturienten der Liebfrauenschule Mülhausen.

Auf Initiative der Lehrerin Michaela Heydhausen vermittelte der 84-jährige Journalist über insgesamt vier Schulstunden im Sowi-Kurs ein differenziertes Bild über die Auswirkungen von 9/11 bis ins Hier und Heute.

Tophoven, Intimkenner von Terrorgefahren jeglicher Natur und seit fünf Jahrzehnten politischer Beobachter und Berater auf diesem Terrain, beließ es in Mülhausen nicht beim Vortrag, sondern ging auf Fragen ein und war auch an der Meinung der jungen Menschen interessiert. „Als die beiden Türme des World Trade Center einstürzten und 3000 Menschen unter sich begruben, ward ihr noch nicht auf der Welt“, sagte der Autor, sichtlich bemüht, den Schülern anschaulich die globalen Zusammenhänge zu erklären und ihre Stimmungslage zu ergründen.

Das Entstehen des sogenannten „Islamischen Staates“, die Rolle der USA und von Israel, das schwierige Verhältnis zu Saudi Arabien - einerseits einer der wichtigsten Erdölexporteure für den Westen, andererseits Sammelbecken für gewaltbereite Attentäter islamistischer Provenienz - die Themenpalette reichte bis hin zu Herausforderungen vor der eigenen Haustür: Wie verhält sich die deutsche Politik? Wie schützt uns die Anti-Terror-Einheit GSG9? Was ist mit den 59 deutschen Soldaten, die in den vergangenen 20 Jahren in Afghanistan gefallen sind? Warum hatte 9/11 mehr als 3000 Anschläge mit jeweils mehr als 12 Toten zur Folge? Warum wäre ein Versuch, in Kabul Rosen statt Hanf anzubauen, zum Scheitern verurteilt? Solche Themen riss Tophoven an, wobei er davor warnte, den islamisch geprägten Ländern westliche Denkmuster überzustülpen und sogenannte Gotteskrieger als bloße
„Mopedbanditen mit Kalaschnikow“ zu unterschätzen.

Im zweiten Teil seiner Vortragsreihe ging der Grefrather, ganz Journalist, auf die Rolle der Medien in der Terrorismus-Berichterstattung ein. „Schieß jetzt nicht Abdul, es ist noch nicht Hauptsendezeit!“ - mit dieser Überschrift machte Tophoven deutlich, dass die Terroristen es darauf anlegen, medial wahrgenommen zu werden, um daraus ein Netz aus Angst und Hass zu schüren.

Attentäter nutzen Hysterie in Sozialen Netzwerken aus
Auch hier der Hinweis des erfahrenen Berichterstatters, medial angemessen und sachlich auf Anschläge zu reagieren und nicht in die Hysterie insbesondere der Sozialen Netzwerke zu verfallen. „Dieser Typ will ja, dass alle Welt über seine Morde berichtet. Die Höchststrafe für diesen Psycho ist, dass er ein kleines Arschloch ist“, zitierte Tophoven seinen Journalisten-Kollegen Franz Josef Wagner, der sich nach dem Breivik-Attentat 2011 so geäußert hatte.

„Wir stehen selbst und sehn betroffen | Den Vorhang zu und alle Fragen offen“, zitierte Rolf Tophoven am Ende Bertolt Brecht. Für die Liebfrauenschüler, für die im kommenden Frühjahr die heiße Abiturphase beginnt, war es eine anregende wie nachdenklich machende Lehrstunde über ein schwieriges Kapitel Zeitgeschichte. Unterricht zum Anfassen mit einer Realität, die die Schüler sicher auch nach ihrer Zeit an der Liebfrauenschule Mülhausen begleiten wird.



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