Holocaust-Überlebende Eva Weyl: „Auschwitz darf nie wieder geschehen“

29. November 2018

„Pogrom ist russisch und bedeutet Verschleppung und Mord.“ Eva Weyl nimmt kein Blatt vor den Mund, als es um die Reichspogromnacht 8. November 1938 geht, in der 400 Juden getötet wurden und 1400 Synagogen brannten. Zum zweiten Mal binnen eines Jahres berichtet die Holocaust-Überlebende in der Liebfrauenschule Mülhausen aus ihrer Kindheit und Jugend am Niederrhein. In der Kapelle des Gymnasiums kleben rund 170 Schülerinnen und Schüler an den Lippen der 83-Jährigen.Während Eva Weyl vor einem Jahr im PZ der Liebfrauenschule von ihrer Zeit im niederländischen Durchgangslager Westerbork berichtet hat, stehen heute auch Erlebnisse aus dem Familienleben der Klever Kaufmannsfamilie Weyl im Mittelpunkt.

Offen, ohne Redemanuskript und detailliert auf jede Frage eingehend, so begegnet Eva Weyl auch diesmal den Liebfrauenschülern auf Augenhöhe. „Ich war 15, etwa so alt wie ihr heute seid. Ich hatte mich verliebt, er hieß Fritz“, erzählt die Niederländerin, die nach Stationen in der Schweiz und in den USA heute seit langem in Amsterdam lebt. Allerdings warnt sie in jenem Nachkriegsjahr 1950 die Mutter, dass der Großvater von Fritz ein schlimmer Nazi gewesen war. Was „Evalein“ als Jugendliche natürlich beschäftigt und ihr klarmacht, dass ihr Leben als Jüdin durch den Holocaust anders verlaufen soll als das gleichaltriger Nicht-Juden.

„Ihr seid nicht verantwortlich für die Nazi-Greuel. Aber ihr seid durch meine Schilderungen sensibilisiert, dass so etwas nie wieder geschehen darf in Europa“, so die Worte der 1935 in Arnheim geborenen Frau. In der Liebfrauenschule als frisch zertifizierte Europaschule NRW kommt diese Botschaft an. Auf Initiative der Lehrerinnen Michaela Heydhausen und Heidi Dahl ist Eva Weyl eingeladen und ein gern gesehener Gast in Mülhausen. Die Schülerinnen und Schüler stellen nicht nur der Holocaust-Überlebenden viele Fragen, sondern reflektieren die Schilderungen und fragen sich: Wie hätte ich in dieser Zeit reagiert?

„Solche Besuche sind mehr wert als jeder Geschichts- oder Politikunterricht“, betont Schulleiter Lothar Josten im Anschluss beim persönlichen Gespräch mit Eva Weyl. Trotz ihres betagten Alters besucht die Niederländerin pro Jahr ca. 50 Schulen in NRW, um zeitgeschichtlichen Anschauungsunterricht aus erster Hand zu leisten. „Es gibt ja nicht mehr viele wie mich. Ihr sollt wissen, wie es gewesen ist, und daraus eure Schlüsse ziehen“, sagt Eva Weyl abschließend in der Liebfrauenkapelle.



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